Wer Hunderte von Arten morphologisch auseinanderhalten möchte, braucht dafür auch eine gewisse Anzahl an Merkmalen. Zwar gibt es keine natürliche Konsequenz, die besagt, dass Sippen, die unterschiedlichen Arten zugeschrieben werden könnten, auch morphologisch voneinander zu trennen sind, jedoch beschränkt man sich bei den Löwenzähnen überwiegend auf ein morphologisches Artkonzept. Man kann um die 30 verschiedene Merkmale bei den Löwenzähnen ausmachen; das ist eine Menge! Besonders schwierig wird es dadurch, dass viele Merkmale nicht einfach zu beurteilen sind und es oft einiges an Erfgahrung braucht, um sie richtig einschätzen zu können. Dazu kommt auch, dass viele Merkmale nicht binär sind. Also statt abzufragen, ob eine bestimmte Struktur fehlt oder nicht bzw. abzufragen, ob eine Struktur eine von zwei möglichen Zuständen erfüllt, findet man in der Literatur zahlreiche Erscheinungsmöglichkeiten eines einzigen Merkmals. Als wäre das nicht genug, haben leider nicht alle Autoren das gleiche Bild dieser Merkmale und beschreiben einige Arten deswegen fast schon widersprüchlich.
Auf den folgenden Seiten werden eine Menge wichtiger Merkmale nach dem Verständnis des Rothmalers vorgestellt. Das Ziel ist es, in der Zukunft alle kritischen Merkmale in Detailfotos aufzulisten. Zudem soll an geeigneter Stelle auch auf trügerische Fälle eingegangen werden, bei denen es nahe liegt, sie falsch zu interpretieren. Ich hoffe sehr, dass diese kommentierten Bildergalerien einigen bei der Bestimmung von Löwenzähnen weiterhelfen werden.
1 - Blatt
Die Form der Blattend- und Blattseitenlappen sind sehr wichtige Merkmale in der Taraxacum- Bestimmung. Zudem ist die Anzahl dieser und der Übergang zwischen den einzelnen Blattseitenlappen, die Behaarung und Färbung der Blattspreite.
Blatt-Endlappen
Blatt-Seitenlappen
Interlobien
Blatt-Mittelrippe
Behaarung und Färbung der Blattspreite
2 - Blattstiel
Beflügelung
Grundlegend wird zwischen beflügelten und nicht beflügelten Blattstielen unterschieden, jedoch zeichnen sich einige Arten durch eine extrem breite Beflügelung aus, die sich von anderen Arten mit beflügelten Blattstielen unterscheidet.
Stellung
beflügelt: Blattspreite an der Basis auf jeder Seite des Blattstieles zumindest genauso breit wie der Blattstiel
nicht beflügelt: Blattspreite an der Basis auf jeder Seite schmaler als der Blattstiel bis fast fehlend
Farbe
Man unterscheidet im wesentlichen zwischen rosanen/rötlichen, rotvioletten und grünen Blattstielen, wobei rein weiße Blattstiele zu den grünstieligen Arten zusammen aufgefasst werden. Die Klassifizierung ist nicht immer einfach, da einige Arten mit grünen Blattstielen rosa ansetze zeigen können. Insebsondere die inneren Blätter können rosa Ansätze zeigen und auch bei hoher umgebender Vegetation können grünstielige Arten rosa Farbtöne entwickeln; diese sind meistens aber sehr schwach.
Stellung
grün bis weiß: ohne rosa Färbung bzw. nur teilweise in Ansätzen
rosa bis rot: mit leichter rosa bis starker rötlicher Färbung aller Blattstiele
rotviolett: deutliche rote Färbung mit violetten Untertönen; meistens mit rotvioletter Blatt-Mittelrippe
Kontrast zur Blatt-Mittelrippe
Ein weiteres zu beachtendes Merkmal ist der Kontrast zwischen Blatt-Mittelrippe und Blattstiel. Die Frage ist, ob die Blatt-Mittelrippe dunkler oder genauso gefärbt ist, wie der Blattstiel. Diese Unterscheidung betrifft vor allen Dingen die grünstieligen Arten.
3 - Blüte
Drei sehr wichtige und bestimmungsrelevante Strukturen der Löwenzähne sind in ihren Blüten zu finden: die Griffel, die inneren Hüllblätter sowie die äußeren Hüllblätter. Die Zunge der Zungenblüten, der Pollen und auch die Früchte sind für einige Arten bzw. Sektionen bei der Bestimmung ebenfalls von großer Bedeutung. Die Früchte werden hier in Zukunft seperat näher besprochen.
Griffel
Die Griffel einer Löwenzahnblüte können unterschiedlich gefärbt sein. Sie können entweder kräftig gelb bis orange, grünlich oder schwärzlich sein. Ob sich die Griffel beim Trocknen der Blüten dunkler verfärben oder nicht, ist für viele Arten charakteristisch, aber selten für die Bestimmung notwendig. Jedoch können einige Arten aufgrund ihrer schwärzlichen Griffel gut im Feld angesprochen werden.
Innere Hüllblätter
Im Gegensatz zu den äußeren Hüllblättern, sind die inneren Hüllblätter nicht immer ausschlaggebend. Wenn diese schwielenartige Verdickungen aufweisen, spricht das für die danach benannte Sektion der Schwielenlöwenzähne (Sektion Erythrosperma). Für einige Sektionen und Arten ist eine typische Bereifung der inneren Hüllblätter charakteristisch. Zusätzlich unterscheidet man zwischen schwarzgrünen und rein- bis blaßgrünen inneren Hüllblättern.
äußere Hüllblätter
Die äußeren Hüllblätter sind für die Bestimmung ausschlaggebend und es werden diverse Eigenschaften unterschieden: Bereifung, Breite, Berandung, Stellung und Färbung.
Stellung
anliegend: nach oben gebogen und den inneren Hüllblättern anliegend aufrecht: nach oben gebogen mit Abstand zu den inneren Hüllblättern; oft auch waagerecht abstehend mit nach oben zeigender Spitze
waagerecht abstehend: nach außen zeigend
zurückgebogen: nach unten zeigend; im Bogen nach unten gerichtet zurückgerichtet: abrupt nach unten gerichtet
unregelmäßig: gleichzeitig in verschiedene Richtungen zeigend, zuweilen auch teilweise verdreht
sigmoid: an der Basis nach oben gerichtet, aber vor der Spitze nach unten gebogen, wobei die Spitze wieder nach oben zeigt; erinnert an eine sinusförmige Welle (Sinusfunktion aus der Mathematik)
anliegend (T. pamiricum; nicht heimisch)
aufrecht (T. gelertii)
waagerecht abstehend (T. atactum)
zurückgebogen (T. aequilobium)
zurückgerichtet (T. acervatulum)
unregeläßig (Beleg 2024-129)
sigmoid (T. alatum)
Färbung
grün: rot: bereift: weiß: blau:
Berandung
berandet: mit einem hylinen bis weißem Rand unberandet: kein weiß erscheinender Rand; ggf. erscheinen angetrocknete Ränder berandet; zuweilen sogar rötlich erscheinend
weiß berandet (Beleg 2024-169)
weiß berandet (T. acervatulum)
unberandet bis rot berandet (Beleg 2024-141)
unberandet (T. ochrochlorum)
unberandet (T. sellandii)
Des Weiteren können auch folgende Merkmale von Relevanz sein: